Der eigentliche Skandal der DSGVO

Über die Auswirkungen der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) wird in den Medien zahlreich berichtet. Da ich als Betreiber eines Blogs und einer Webseite selber betroffen bin verfolge ich die Diskussion intensiv. Und vieles dabei ärgert mich. Mir geht es nicht so sehr darum, ob wir im Internet Regeln benötigen und wie diese aussehen sollen. Mich ärgert bei dieser Verordnung die Art und Weise, wie Menschen damit konfrontiert werden. 

In einem Artikel des Tagesspiegel vom 20. Mai 2018 fand ich- nicht zum ersten mal einen Satz, der für mich den eigentlichen Skandal der Verordnung kennzeichnet: Auch spezialisierte Anwälte sagen zudem, dass sich erst noch zeigen muss, wie genau bestimmte Artikel interpretiert werden müssen.

Werde ich nun durch die DSGVO zu einem Versuchskaninchen für- ja für wen eigentlich? Politiker? Juristen?

Im Grunde bedeutet dieser Satz: Wir haben ein Gesetz, wissen aber nicht, was es bedeutet. Oder bildhaft formuliert: Wir haben da ein tolles Auto für sie gebaut. Wie das mit den Bremsen funktioniert wird sich dann in der Zukunft zeigen. 

Die DSGVO ist dabei beispielhaft für viele andere Gesetze. Wie viele tausend Urteile gehen alljährlich in die nächste Instanz? Müssten Richter nicht sofort und eindeutig (er)klären können was Recht und was Unrecht ist? Wenn diese das schon nicht können, wie soll ich dann selber wissen, was erlaubt ist und was nicht? 

Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. Gut, aber wie soll ich mich sachkundig machen und gesetzestreu verhalten, wenn mir nicht einmal Experten mit Gewissheit sagen können was richtig ist?

Kann ich überhaupt gegen ein Gesetz verstossen und dafür bestraft werden, das erkennbar nicht fertig ausformuliert ist? Und, wie soll jemand seinen Kindern beibringen wie man sich in unserer Gesellschaft richtig verhält, wenn dies nicht einmal für Juristen eindeutig möglich ist? 

Ein anderer Umstand bei der Einführung der DSGVO stört mein Rechtsempfinden.

In dem Artikel findet sich folgende Aussage: »Die Datenschützer haben schon deutlich gemacht, dass sie nicht vorhaben, jetzt bei den kleinen Bloggern die Türen einzutreten und hohe Bußgelder zu verhängen«, sagt Jan Philipp Albrecht, Europaabgeordneter der Grünen. 

Ein Satz, der beruhigen soll, doch eigentlich eine Ungeheuerlichkeit beinhaltet. Denn die Aussage bedeutet übersetzt: Wir können, aber wir werden (wahrscheinlich) nicht. Wenn das stimmt, bin ich in Zukunft abhängig von der individuellen Gnade eines Behördenmitarbeiters oder Politikers.

Im Weiteren lese ich, dass sich die Datenschutzbehörden »erst auf Unternehmen konzentrieren, die persönliche Daten im großen Stil verarbeiten und deren Geschäftsmodell darauf beruht, private Daten zu verkaufen und zu Geld zu machen« (Vera Jourová, EU-Justizkommissarin)

Wenn ich jetzt Marc Zuckerberg wäre, wäre ich richtig sauer. Das verstößt gegen jeden Gleichheitsgrundsatz. Entweder etwas ist verboten oder nicht. Der kleine Herr Geist darf klauen, Herr Zuckerberg aber nicht? Es bedeutet: Die Großen hängt man, die Kleinen lässt man laufen. Das ist genauso falsch, wie das umgekehrte Prinzip.

Es hilft mir auch nicht, wenn gesagt wird die Behörden haben gar nicht die Kapazitäten jeden zu kontrollieren. Was ist das für ein Gesetz? Ich beschließe etwas und weiß, dass es nicht umsetzbar sein wird. Was soll das? Und nur weil etwas nicht verfolgt werden kann, wird ein Fehlverhalten ja nicht richtiger. Dazu kommt, die Behörden haben vielleicht nicht die Kapazität, aber die vielen Abmahnanwälte schon. Die Konsequenz ist eine Klagewelle zu Lasten der Bürger und kleinen Unternehmen, mit einer jetzt schon beklagten Überlastung der Gerichte.

Noch einmal: Politiker machen Gesetze (teilweise müssen sie dazu von Gerichten gezwungen werden), doch Inhalte und Ausführungen bleiben im Unklaren. Ein Beispiel dafür ist das Berliner Hundegesetz. Seit dem 22. Juli 2016! ist es in Kraft (Auftrag erfüllt), doch die Verordnungen für die Umsetzung fehlen bis heute. Und wer sich das Gesetz anschaut wird selbst als Laie erkennen, dass vieles davon niemals praktisch umsetzbar sein wird. Es entsteht quasi per Gesetz ein rechtsfreier Raum, der es vollkommen willkürlich macht, ob ein Bürger betroffen ist oder nicht. 

Ja – Gesetze und Regelungen müssen sein. Doch sollten sie so formuliert werden, dass sie auch allgemeine Gültigkeit haben können. Die DSGVO sieht vor, dass Datenschutzbestimmungen verständlich formuliert werden, was auch immer dies genau bedeutet. Vielleicht sollten sich die Gesetzesmacher erst einmal darum kümmern Gesetze und Verordnungen so zu formulieren, dass diese wenigstens für sie selber eindeutig verständlich sind. Und das betrifft nicht nur die DSGVO.

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Ich hab da mal ne Frage

Kennt Ihr das auch? Ihr surft bei Eurem Lieblings-Onlinehändler und seht Mitteilungen, wie: Käufer kauften auch…oder Ihr seht Nachrichten wie: 5 auf Lager; beziehungsweise: Sofort lieferbar.hugendu.jpeg

Und das bei einem Buch, das nur auf Bestellung gedruckt wird? Wenn ich mir meine Abrechnung anschaue wundere ich mich.

Man (Autor) hat immer das Gefühl, dass gemogelt wird. Daher meine Frage: Wer hat das Buch Friedolin im Dezember/Januar wo bestellt und wann wurde es geliefert?

Ihr könnt anonym Eure Antworten schicken unter :https://obstgekauft.wordpress.com/kontakt/

Ihr müßt wirklich nur das Kommentarfeld ausfüllen.

Vielen Dank

 

 

 

 

Grenzen der Toleranz

Auch ich komme von Zeit zu Zeit an die Grenzen meiner Toleranz.

Ich habe gelernt, dass sich Sprache wandelt. Heute schreibt man nicht mehr Mitarbeiter, sondern Mitarbeitende. Das war zuerst ungewohnt. Ich habe eine Weile gebraucht, das zu kapieren. Doch es macht Sinn und muss sein.

Ich weiß auch, dass sich viele Menschen für eine fleischlose Ernährung entschieden haben. Egal, ob aus geschmacklichen oder ethischen Gründen, gerade Letzteres kann ich gut nachvollziehen. Ich selbst koche gerne ohne Fleisch. Meist dann sogar gleich vegan.

Doch auch meine Toleranzschwelle wird irgendwann überschritten.

Ja- Meinetwegen. Ein vegetarisches Schnitzel kann es geben. Schnitzel ist ein planiertes, paniertes Hauptgericht und kann aus Kalb, Schwein, Tofu oder sonst was bestehen. Im schlimmsten Fall aus Euter (Berliner Schnitzel).

ABER!!!

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Es gibt keinen veganen Hering! Hering kann nicht vegan sein!

Es gibt kein vegetarisches Hackfleisch. Fleisch kann nicht vegetarisch sein.

Man kann keinen Wallach zum Vater machen…

Mennooo

Und noch eine Weihnachtsgeschichte

Ich war gerade Spazieren und ging ziellos durch die Strassen. Die Fenster der Häuser und Wohnungen waren festlich erleuchtet.

Bei meinen Spaziergängen fallen mir immer so seltsame Geschichten ein. Natürlich ist alles nur ausgedacht…

Bei Freunden zum Weihnachtsessen

Freunde haben mich zum Weihnachtsessen eingeladen. Wahrscheinlich aus Mitleid. Wäre gar nicht nötig gewesen, ich komme eigentlich auch so ganz gut zu recht.

Am Nachmittag klingle ich an der Tür. Sie, nennen wir sie mal Susanne, also Susanne macht die Tür auf. Ich betrete das Haus. Der hauseigene Golden Retriever bellt. Susanne beeilt sich zu versichern, dass sie den Hund im Zimmer eingesperrt hat. Sie weiß, dass ich tierischen Schiss vor Hunden habe. Rolf ist in der Küche. Natürlich kocht er.

Susanne ist eine moderne Frau. Die Zeiten, in denen Frauen bereits am frühen Morgen angefangen haben in der Küche den Weihnachtsbraten für den Abend vorzubereiten sind vorbei. Frauen schätzen inzwischen die Segnungen der modernen Lebensmittelindustrie mit ihren Convenience Produkten. Sie holen sich damit die Zeit zurück, die ihre Mütter und Großmütter in der Küche verbracht haben.

Also kocht Rolf. Auch Rolf ist ein moderner Mann. Das bedeutet: Er kocht nicht, er zelebriert ein Essen.

Susanne holt Paulchen, den Golden Retriever aus dem Wohnzimmer. Eigentlich ist er ein ganz verträgliches Tier. Nach ein paar Minuten haben wir uns aneinander gewöhnt. Damit sind wir also komplett. Susanne und Rolf haben keine Kinder. Sie sind klassische DINKs (Double Income No Kids).

Ich betrete die Küche und sage Rolf: »Hallo«. Susanne geht mit dem Hund noch mal vor die Tür und lässt uns alleine. Rolf ist mächtig am Wirbeln. Ich kenne Rolf seit der Schule. Er ist inzwischen ein ziemlich hohes Tier bei einer Versicherungsgesellschaft.

Rolf hat nicht gleich Zeit für mich. Er ist gerade dabei mit einer Präzisionswaage etwas abzuwiegen. Dann schüttet er die Zutat in einen Topf und rührt sie vorsichtig in eine kochende Flüssigkeit.

Danach dreht er sich um und begrüßt mich herzlich. Er erkundigt sich, wie mein neues Buch läuft. Er selbst konnte es noch gar nicht kaufen. Der Weihnachtsstress und so. Aber nach Weihnachten würde er es gleich bei Amazon bestellen. Ich antworte ihm, dass es für mich günstiger ist, wenn er es bei einem Buchhändler bestellt. Da verdiene ich mehr. Er verspricht es nicht bei Amazon zu bestellen. Wahrscheinlich bestellt er es gar nicht. Lesen tut er es sowieso nicht. Neben Geschäftsberichten und dem Handelsblatt liest Rolf eigentlich gar nichts.

Er reicht mir ein Glas Rotwein. Ziemlich teures Zeug.

Rolf wendet sich wieder seiner Küchenarbeit zu. Es gibt eine klassische Weihnachtsgans. Vom Biohof, betont Rolf und hält einen kurzen Vortrag über nachhaltige Lebensmittel.

Er koche ja nur mit natürlichen und frischen Produkten. Ganz im Gegensatz zu Susanne mit ihren furchtbaren Fertiggerichten. Ich weiß, dass er sich nie trauen würde so etwas in ihrer Gegenwart zu sagen. Doch in diesem Moment ist sie ja noch mit Paulchen Gassi gehen.

Rolf betont, dass das Kochen für ihn mehr ist, als nur Essen zuzubereiten. Es wäre eine Kunst.

Ich koche eigentlich auch ganz gerne. Einige meinen sogar ganz gut. Aber ich betreibe nicht so viel Aufwand. Wenn an ein Gericht Salz muss, schütte ich eine Prise in den Topf. Für Rolf ist das anders. Ich glaube die Präzisionswaage ist sein wichtigstes Küchenutensil. Er erklärt mir, dass es total wichtig sei die richtige Menge einer Zutat zu berechnen. Etwas zu viel oder zu wenig könnte den ganzen Braten vernichten. Er sagt wirklich vernichten. Ich frage ihn, woher er weiß, wie viel er von welcher Zutat braucht. Schließlich ist jede Gans doch unterschiedlich. Scherzhaft füge ich hinzu: »oder hast Du zuvor den Body Mass Index der Gans ermittelt.«

Rolf erkennt den Scherz nicht und meint, dass er selbstverständlich zuvor den BMI des Tieres berechnet hat. Er wäre doch kein Amateur und hält dabei einen Taschenrechner in die Luft.

Ich bin überrascht. Er kocht nicht nur mit Waage, sondern tatsächlich auch mit einem Taschenrechner. Ich kann so ein Ding nicht einmal richtig bedienen.

Eines eint uns beim Kochen jedoch. Wir benutzen beide keine klassischen Kochbücher. Ich koche so, wie es mir meine Großmutter beigebracht hat, frei Schnauze.

Rolf hat ein eigenes präzises Drehbuch für jedes Gericht. Ich schaue mir seinen Plan an. Natürlich sind die Seiten ordentlich laminiert. Ich könnte nach seinem Plan nicht kochen. Dort, wo ich Gramm Angaben erwarte, stehen Formeln. Ich frage ihn, was sie bedeuten. Rolf erklärt mir an einem Beispiel, dass er einen Index für die resultierende Tellermenge verwendet und je nach Grammzahl dafür genau errechnet hat, wie viel man von jeder Zutat benötigt.

Ich trinke noch einen Schluck Wein. Wirklich guter Stoff.

Rolf schenkt mir nach. Dann misst er einen viertel Liter davon ab und schüttet ihn in die Soße. Ich weiß zwar, dass man beim Kochen keinen schlechten Wein verwenden sollte, doch Rolf bringt gerade 15 Euro zum verkochen. 15 Euro. Ich rechne nach. Dass sind ca.10 Bücher, die ich für die Soße verkaufen müsste. Ich sage nichts.

Susanne kommt mit Paulchen zurück. Sie fragt, ob alles nach Plan läuft und wir uns gut amüsieren. »Alles bestens«, rufen wir ihr zu. Rolf ergänzt, dass nach seinen Berechnungen um 18:13 Uhr alles zum Anrichten bereit wäre.

Ich helfe Susanne beim Eindecken des Tisches. Sie ist Innenarchitektin und hat wirklich ein Gespür für stilvolle Einrichtungen oder in diesem Fall für einen schön gedeckten Tisch.

Im Wohnzimmer steht ein prächtiger Weihnachtsbaum. Bestimmt zwei Meter groß. Ich mache mir nichts aus diesen Sachen. Susanne findet es aber total wichtig. Sie erklärt mir, dass sie den Baum ganz gezielt bei einem Händler (natürlich Online) bestellt hätten. Schließlich soll er ja zwischen den Jahren, wie es so schön heißt, nicht anfangen zu Nadeln.

Ich erzähle Susanne, dass einige Familien den Weihnachtsbaum nur an Heiligabend im Zimmer aufstellen und ihn schon am 1. Feiertag auf die Straße stellen, zum Beispiel weil sie dann in den Urlaub fahren. Es gibt inzwischen sogar Menschen, besonders aus dem englischsprachigen Raum, die Weihnachten ja traditionell erst am 1. Feiertag begehen und sich gar keinen Baum mehr kaufen, sondern sich einen dieser früh entsorgten Bäume mit nach Hause nehmen. Natürlich ist Susanne darüber entsetzt. Ich finde das eigentlich ziemlich nachhaltig.

Ich gehe in die Küche und frage Rolf, ob ich helfen könnte. Dabei erwische ich ihn, wie er eine Fertigmischung getrockneter Kräuter in die Soße schüttet. Es ist zwar eine sehr teure Gewürzmischung eines Sterne Kochs, doch es ist eine fertige Mischung. Rolf ist peinlich berührt, als ich ihn dabei erwische. Er erklärt, dass er so was sonst nicht verwendet und alles selber anrührt. Doch jetzt bei dem ganzen Weihnachtsstress, da hat sich das halt so ergeben. Natürlich würde er alles noch persönlich abstimmen. Es wäre nur eine Grundlage.

Ich schaue mir die Mischung an. Sie sieht ziemlich bunt aus. Ich rieche daran. Rein geruchstechnisch scheint sie zu 99% aus Thymian zu bestehen.

»Ziemlich viel Thymian«, sage ich daher. Rolf stimmt mir natürlich sofort zu. Er verstehe gar nicht, wie dieser Mensch jemals einem Michelin Stern erhalten konnte. Er nimmt eine Pinzette und zupft ein paar getrocknete Kräuter aus der Dose. »Jetzt ist es viel stimmiger«, sagt er und hält mir die Dose mit den Trockenkräutern unter die Nase. Es riecht immer noch gleich nach Thymian. Doch ich will Rolf natürlich nicht verärgern und bestätige: »Ja, viel besser.«

Rolf scheucht mich aus der Küche. Es ist 18:05 Uhr. Er muss jetzt Finalisieren. Da braucht es höchste Konzentration. Ich gehe zu Susanne und setze mich an den Tisch. Wenige Minuten später kommt Rolf mit dem Gänsebraten. Es muss also 18:13 Uhr sein.

Der Braten ist perfekt angerichtet. Rolf setzt sich und hebt sein Glas: »Frohe Weihnachten«.

»Frohe Weihnachten«, geben Susanne und ich zurück.

Rolf zückt ein Messer und macht sich daran die Gans zu tranchieren. Das Messer ist so scharf, das man damit alles mögliche Unheil anrichten könnte. Während ich Rolf beim Tranchieren beobachte, denke ich über mögliche neue Buchideen nach. Alles blutrünstige Krimis. Ist eigentlich nicht mein Genre.

Rolf reicht uns die Teller. Susanne und ich kosten andächtig das Ergebnis der letzten Stunden. Gans und Soße schmecken ziemlich stark nach Thymian.

Rolf schaut uns erwartungsvoll an. Susanne verdreht die Augen und sagt: »Ein Gedicht.« Ich überlege, was ich antworten soll. So viel Thymian finde ich eigentlich nicht so toll. Also sage ich: »Ach Susanne, jetzt hast du dem Literaten doch glatt das Wort aus dem Mund genommen. Ich kann mich nur anschließen. Ein Gedicht.« Ich schreibe Prosa und keine Poesie. Von Gedichten habe ich eigentlich keine Ahnung. Ich hebe mein Glas, proste Rolf zu und nehme noch einen Schluck von dem sündhaft teuren Wein, um den Thymian Geschmack zu vertreiben.

Tapfer essen alle ihren Teller auf. Rolf begibt sich wieder in die Küche, um die Nachspeise zu finalisieren. Susanne muss derweil mal für kleine Innenarchitektinnen. Ich bin also mit Paulchen allein. Ich halte dem Tier ein Stück der Gans unter die Schnauze, doch er rümpft nur die Nase und dreht ab.

Rolf und Susanne kommen zurück. Der Abend vergeht, noch eine Flasche des teuren Weins wird getrunken. Irgendwann mache ich mich auf den Weg nach Hause und denke: Wäre gar nicht nötig gewesen, ich komme eigentlich auch so ganz gut zu recht. Doch immerhin habe ich jetzt ein Rezept, wie ich mir Hunde vom Leib halten kann: Thymian.

Es ist Weihnachten

Das Übliche. Es ist Weihnachten.

Die Supermärkte sind total überfüllt, als ob am nächsten Tag der Russe einmarschieren würde. Das TV- und Radioprogramm ist seit Wochen eine Katastrophe und an jeder Strassenecke steht eine Figur, die sich ein amerikanischer Limonadenproduzent ausgedacht hat. Das Versprechen, sich diesmal wirklich nichts, also wegen Konsumterror und so, zu schenken wird natürlich konsequent von allen umgangen: »Nur eine Kleinigkeit«…

»Ja, Danke, total lieb. Ich hab da auch was für dich«. …

Man hat sich also, wie immer, im Vorfeld reichlich mit Geschenkgutscheinen ausgestattet, die man bei Bedarf schnell hervorholen kann.

Es ist Weihnachten…

Zuerst müssen wir mit Sack und Pack zu den Eltern. Wie jedes Jahr. Als ich Kind war kamen unsere Großeltern zu uns. Ich dachte immer, wenn ich selber Kinder habe, würden meine Eltern das Gleiche tun, wie ihre Eltern. Also zu uns kommen und am Heilig Abend-Abend wäre alles vorbei. Doch nein, sie geben nichts ab. Am 24. haben alle Kinder nebst Familie bei ihnen zu erscheinen. Basta. Jeder Widerspruch führt unweigerlich zu einem Konflikt. Beliebte Argumente sind: Es könnten unsere letzten Weihnachten sein; wir sind dir also egal; immer geht es nur nach deiner Frau; wir sehen die Enkel ja sonst nie; möchtest du etwa, dass wir Weihnachten ganz alleine sind und so weiter.

Also wird das Auto vollgepackt. Die Kinder haben keine rechte Lust. Die Frau nörgelt, weil ihre Eltern es total doof finden, dass wir am 24. immer zu meinen Eltern fahren und weil ich mich, wie üblich, deshalb nicht durchsetzen könnte. Die Stimmung im Auto kann nicht besser sein.

Wir fahren los. Wie immer gibt es die Diskussion mit den Kindern, ob erst Bescherung oder Essen. Wir entscheiden auf: erst Essen. Zuvor müssen wir uns natürlich bei der Kirche anstellen. Die Schlange wird von Jahr zu Jahr länger. Die Gottesdienste werden straff organisiert und im Akkord abgehalten.

Im Nieselregen geht es zurück. Das Weihnachtsessen wartet. Weihnachten fällt auf drei Tage. Man muss vorplanen. Natürlich fällt das den Eltern nicht mehr so leicht, wie früher. Also ist wieder kein Saft für die Kinder im Haus und Bier und Wein sind abgezählt. Inzwischen wissen wir das und ich hole die vorsichtshalber mitgenommene Reserve aus dem Auto. Seit einigen Jahren bin ich für die Getränke zuständig.

Mein Bruder übernimmt das Kochen. Er hat einen Minivan und kann so bequem seine halbe Küche mitbringen. Die Küchenausrüstung der Eltern ist uns noch aus Kindertagen bekannt. Ich bin inzwischen vierzig. Genauso stumpf sind also die Messer im Haus.

Gefordert wird ein traditioneller Festtagsbraten mit allen drum und dran. Das es inzwischen Menschen gibt, die aus welchen Gründen auch immer, kein Fleisch mögen bleibt schwer zu vermitteln. Mehr Intoleranzen sind Gott sei Dank nicht zu berücksichtigen. Mein Bruder hat das im Griff.

Dann folgt die übliche Bescherung für die Kinder. Gott sei Dank haben wir vorher alle Geschenke abgesprochen. Und besorgt. Katastrophen können so gezielt vermieden werden. Die Überraschungen natürlich auch. Dennoch ein Verfahren, dass sich bewährt hat. Die Geschenke werden vom Nachwuchs wie selbstverständlich entgegengenommen.

Der Abend verläuft in den üblichen Ritualen. Irgendwann drängeln die Teenager. Sie wollen endlich los, um sich mit Freunden zu treffen. Die jüngeren Kinder sind entweder total überdreht oder quengeln wegen völliger Übermüdung.

Die Eltern fragen unterdessen zum hundertsten Mal unbeirrt, ob noch jemand etwas zur Verdauung möchte und suchen nach etwas Hochprozentigen. Es ist lieb gemeint, doch mein Bruder und ich müssen noch nach Hause fahren, die Frauen wollen keinen Schnaps und die Teenager dürfen noch nicht, solange die Eltern dabei sind. So bleibt der Alkohol, der schon den Krieg erlebt hat, wie all die Jahre zuvor, unberührt im Keller.

Ich räume in der Zeit die Küche auf und mein Bruder verstaut seine Utensilien in seinem Van. Dann können wir endlich wieder nach Hause.

Kein Parkplatz vor der Tür. Ich brauche eine gute halbe Stunde, um alles (Geschenke, Kinder, übriggebliebene Getränke) in die Wohnung zu tragen. Todmüde schlafe ich ein.

Am 25. geht das Spiel erneut los. Dann geht es zu den Schwiegereltern. Natürlich schon zum Mittagessen. Wieder Braten. Eigentlich sind alle noch satt von gestern. Die Pubertisten sind verkatert und die Jüngeren wollen lieber zu Hause mit ihren neuen Spielsachen spielen. Doch es gibt kein Entrinnen.

Nach dem Mittagessen sitzen alle im Wohnzimmer und schweigen sich an.

Natürlich wird man gefragt, ob es etwas Neues gibt. Zum Beispiel im Beruf. Die Tochter soll ja gut versorgt sein. Es gibt aber nichts Neues. Beziehungsweise nichts, was sie verstehen würden. Oder soll man sagen, dass man noch völlig genervt am 23. noch ein Ticket geschrieben hat, ohne im selben Atemzug erklären zu müssen, dass man jetzt nicht bei der Bahn Fahrkarten verkauft, sondern irgendeinem 3-Level Supporter des CRM Dienstleisters, der irgendwo auf dieser Welt hockt, versucht hat klar zu machen, dass hier keiner etwas mit der von Google übersetzten Grußformel Schöne Urlaubs Saison unter einem Lieferschein anfangen kann, weil man hier immer noch Frohe Weihnachten sagt. Also erzählt man irgendwas. Die Frau verdreht die Augen.

Man hat sich kaum bewegt, schon werden Kuchen und Kekse aufgetischt, um die Zeit bis zum Abendessen zu überbrücken. In einem verzweifelten Versuch schlage ich einen Weihnachtsspaziergang vor. Draussen regnet es in Strömen. Bis auf einen Teenager kommt keiner mit. Lust hat er keine, doch er braucht dringend etwas frische Luft.

Als wir zurück sind werden wir gefragt, ob wir noch einen Schnaps haben wollen. Ich schaue auf den Tisch. Die anderen wollten schon. Dann folgt das traditionelle Abendessen. Danach können wir nach Hause.

Der 2. Weihnachtsfeiertag. Niemand wagt es sich auf die Waage zu stellen. In den letzten beiden Tagen habe ich soviel gegessen, wie ein Bauarbeiter. Dabei bin ich nur ein Büroangestellter. Ich versuche die Kinder zu reanimieren. Wir müssen heute noch zur Tante.

Alle schauen mich verzweifelt an. Ich versuche zu erklären: »Es ist vielleicht ihr letztes Weihnachten«, und werde sofort unterbrochen: »Das sagst Du jetzt schon seit dem ich denken kann.«

Es gibt billiges Weihnachtsgebäck vom Discounter. Die Kinder langweilen sich. Die Frau ist sichtlich genervt, obwohl ich ihr vorher eingeschärft habe, dass die Erbtante… also dass wir das Geld irgendwann brauchen werden.

Am Abend fahren wir wieder nach Hause. Alle fallen müde ins Bett. Selbst der Teenager möchte einfach nur noch schlafen. Es ist vorbei und ich verspreche allen:

Nächstes Jahr wird alles anders.

 

 

Friedolin unter den Top 100 bei Amazon

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Wow. Das Buch Friedolin ist inzwischen unter den Top 100 bei Amazon. Und das nach soooo kurzer Zeit. Vielen vielen Dank :o))

…???

… Ähhh… ja…OK…klar… also die Unter-Unter- Unter-Unterkategorie sollte ich beachten. Ist schon klar. In der kompletten Bücherliste sind noch ein paar wenige Titel mehr davor.

NOCH!!!!! Ich weiß, Ihr arbeitet daran!

Schönes Wochenende

Stephan

Neues vom Buchmacher

Ich weiß. Ihr hängt gerade alle vor dem Smartphone und schaut bei Twitter und Co, was in Berlin so alles passiert. Mach ich ja auch. Und ich wäre ja auch echt gerne Mäuschen bei einigen Gesprächen gewesen. Doch nun ist es ja raus: Keine Jamaika – Joints für alle. Also kommen wir zu den wirklich aufregenden Dingen zurück.

Denn es passieren nebenbei auch einige aufregende Dinge im Leben eines Self-Publishers. Zum Beispiel ist heute meine Testbestellung von Hugendubel eingetroffen. Auch da war die Überraschung groß.

Hintergrund: Am 04.11. gab ich auf der Selfpublishing Plattform Epubli meinen Originalauftrag ab. Offizielle Aussage zum Liefertermin: 8-10 Werktage.

Am 07.11. konnte ich das Buch bereits bei Hugendubel als »sofort lieferbar« finden. Ohne Versandkosten.

Am 10.11. habe ich dort die Testbestellung abgegeben. Die Originalbestellung wurde zu diesem Zeitpunkt auf der Webseite von Epubli noch als »in Produktion« gekennzeichnet.

In der Nacht des 13.11. bekomme ich eine Mail von Hugendubel: Buch versendet. Die Lieferung von Epubli steht zu diesem Zeitpunkt noch aus.

Ich frage mich wer macht das Rennen? Am 14.11. die Lieferung von Epubli via DHL. Heute war dann das Buch von Hugendubel im Briefkasten. Als Buchversand, kostet nur einen Euro Porto und wird daher vom Briefträger ausgeliefert. Das bedeutet in Berliner Aussenbezirken: »sehr ungewisser Zustellungszeitpunkt«. Nun war es also da.

Ich packe das Exemplar vorsichtig aus. Eingeschweißt, wie die Originallieferung. Kann ich also so für den weiteren Gebrauch (Handverkauf) ins Regal stellen. Doch ich werde stutzig.

Ich entferne die Folie und bin überrascht. Die Druckseiten sind cremeweiß. Eigentlich wollte ich das ja auch. Doch bei der Bestellung bei Epubli steht mattweiß. (siehe Eintrag vom 14.11.) Kann ja auch ein Fehler von mir sein. Eine Änderung würde eine neue ISBN Nummer bedeuten. Will ich nicht. Cremeweiß ist aber »gewohnter« für die meisten Leser. Ich blättere in dem Buch. Sieht gut aus. Das Cover ist aber etwas matter. Das wiederum gefällt mir nicht ganz so gut.

Mir stellt sich natürlich die Frage, wie kommt es zu den unterschiedlichen Lieferungen?

Wenn ich ein Buch bekomme schaue ich ganz gezielt auf bestimmte Seiten und kontrolliere, ob sie richtig gedruckt wurden. Bei den Hugendubel Buch mache ich das natürlich auch. Am Ende des Buches fällt mir ein ungewöhnliche Zusatz auf. Gedruckt von irgendeiner Druckerei in Erfurt. Die »Originalbücher« wurden in Berlin gedruckt.

Ich lerne. Anscheinend »verkauft« Epubli nicht nur die Bücher. Sie vertreiben einfach eine Druckdatei und andere Unternehmen drucken dann selber. Eigentlich egal.

DOCH natürlich stellt sich die Frage, wie gewissenhaft diese Druckereien arbeiten. Der Unterschied zwischen cremeweiß und mattweiß ist dabei ja nur ein Aspekt. Ich kann gar nicht sagen, was mir besser gefällt. Was ist aber, wenn eine Druckerei »Mist« baut und ein richtig mieses Ergebnis abliefert? Das fällt ja auch auf den Autor zurück.

Am nächsten Wochenende ist die Messe BuchBerlin 2017. Ich bin akkreditiert ;o ) Epubli ist auch da. Ich glaube, dass werden intensive Fragen von mir werden, wenn ich den Stand besuche.

Wie sind Eure Erfahrungen? Bitte immer melden : mail@stephangeist.de

Viele Grüße

Stephan