Wie es weiter ging und ein Disput mit den Beinen

Also das mit dem »über Nacht« trocken werden haben die Schuhe nicht geschafft. Gut, dass ich die Wanderstiefel eingepackt habe. Wenn ich mit der Bahn gefahren wäre, wären diese sicherlich aus Gewichtsgründen zu Hause geblieben. Ausserdem neigen sie zu Druckstellen oberhalb des Knöchels. Komischerweise haben sie dies erst seit ihrem zweiten Großeinsatz getan. Daher bin ich in den letzten Urlauben (lange her) auf leichte Trekkingschuhe umgestiegen. Reicht auch für meine Touren. Nun, da Letztere weiterhin eine gewisse Feuchtigkeit aufweisen, müssen die Wanderstiefel halt ran. Und sie zeigen sich gnädig. Die Druckstellen halten sich in minimalen Grenzen. 

Die Stiefel führten mich auf den Gletscher. Zumindest zu dem Teil, der noch übrig ist. Traurig anzusehen, wie dieser in den letzten Jahren immer mehr verschwindet. Ich blickte ziemlich fassungslos auf die Reste. Das muss man mir angesehen haben. Ein Mann sprach mich an. Ich erklärte, was mich so erschreckte. Er meinte nur: „Ja, da bei dem Klimawandel hat jeder seine Auffassung. Doch er verstehe gar nicht, warum Gletscher überhaupt wichtig sind. Und das es wärmer wird habe doch Vorteile. Man müsse weniger Heizen. Das spart doch Energie und wer möchte schon im Mai noch die Heizung andrehen.“ 

Das hat der Depp echt so gesagt. Kann man sich nicht ausdenken. Ich war fassungslos und wendete mich ab und dem Tal zu.

Der nächste Tag hatte etwas mehr Sonne und ich bin mit der Seilbahn hinauf und zur Starkenburger Hütte gelaufen. Das mit den Seilbahnen ist recht bequem. Es gibt eine sogenannte Staubai Card. Die kostet 68 Euro und man kann die Busse im Tal, sogar bis nach Innsbruck nutzen. Ausserdem kann man die Karte an jeder Seilbahn einmal am Tag für eine Berg- und Talfahrt verwenden. Alleine die Gletscherfahrt kostet ja schon 27 Euro. Das rechnet sich. Der »Haken« bei der Sache: Die Karte kann man nur an 5 von 7 Gültigkeitstagen nutzen. 7 Wandertage bin ich hier. 4 x habe ich die Karte nun schon verwendet. Also muss ich mir an 2 Tagen ein »alternativ Programm« aussuchen. Und heute war einer dieser Alternativtage. Ich bin zu Fuss von Schaller bis zur Elferhütte gelaufen. Das Wetter war bewölkt, sehr nebelig – doch trocken. Aufgrund der Regengefahr wählte ich einen bequemen Forstweg. Die Tour hat Spass gemacht. Durch den dichten Nebel zu laufen ist schon ein Erlebnis für sich. Ingesamt waren es 1000 Höhenmeter, die mich meine Wanderstiefel erfolgreich nach oben gebracht haben. Dann ging es wieder 1000 Höhenmeter hinab. Insgesamt 6 1/2 Stunden gelaufen. War doch ganz schön anstrengend. Besonders, weil ich am Schluss noch mal aufs Tempo gedrückt habe. Ein Schauer kündigte sich an und ich wollte trocken bleiben. Geschafft. Alles gut. 

Ab unter die Dusche. Bis zum Abendessen war es noch etwas hin. Ich legte mich ins Bett. So ein kleines Powernapping soll ja nicht verkehrt sein. Doch leider kam es dabei im Nachgang zu einem Missverständnis mit meinen Beinen:

Ich: Also los, aufstehen.

Beine: Wie aufstehen? Wir dachten es ist Feierabend.

Ich: Nee, das war nur ein Mittagsschlaf. Feierabend ist gleich. Vorher geht es noch zum Abendessen. Ich habe Hunger und Durst. 

Beine: Du vielleicht. Wir nicht.

Ich: Soll ich mir etwa das Essen ans Bett bringen lassen?

Beine: Wenn das geht.

Ich: Das war ein Scherz. Nein, das geht nicht.

Beine: Uns doch egal.

Ich: Was soll das jetzt? Die paar Schritte. 

Beine: Nö. Feierabend.

Ich: Keine weitere Diskussion. Aufstehen. Ich bin der Boss.

Beine: Echt jetzt?

Ich: JA!

Beine: Du wirst schon sehen, was du davon hast.

Ich hatte in dem Moment keine Ahnung, was die Beine damit meinten. Ich zog mir meine Jeans an und ging zur Treppe, um nach draussen zu gehen. Schon bei der ersten Stufe machten mir die Beine deutlich was sie kurz zuvor angedeutet hatten. Es war ein Gefühl zwischen stechendem Schmerz und totaler Taubheit. Die Beine wollten mir mit all ihrer  Macht klar machen, wer der Herr im Hause ist. Egal. Ich schaffe das. Zweite Stufe. Der Rücken zeigt sich mit den Beinen solidarisch und sendet einen kleinen aber feinen Schmerz durch den Körper. Dritte Stufe. Das eine Knie versagt seinen Dienst. Vierte Stufe. Das andere Knie meint das Gleiche tun zu müssen. 

Ich: Bitte, ich habe Hunger.

Beine: Und wir sind müde.

Ich: Was kann ich dafür, dass die Karte nur an 5 Tagen gültig ist. Es geht nicht jeden Tag mit der Seilbahn nach oben.

Beine: Nicht unser Problem.

Ich: Ich kann beim nächsten Urlaub auch ganz auf die Karte verzichten. Dann müßt ihr jeden Tag so wie heute ran.

Beine: Das machst du doch nicht.

Ich: Wollt ihr es darauf ankommen lassen?

Beine: Wieviele Stufen noch? 

Ich: 5

Beine: Menno.

Ich: Und morgen könnte ich vom Tal bis zur… das sind 1500 Höhenmeter.

Beine: Mpfff.

Ich: Wie bitte?

Beine: Wir gehen ja schon.

Nach einem gemütlichen Abendessen und zwei Glas Bier sind wir wieder friedlich zurück. Geht doch. 

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2-3 Minuten

Heute war ein wunderschöner Tag zum Laufen. Nicht zu kalt und nicht zu heiß. Sonne und ein paar Wolken. Ich genoss einen schönen Panoramaweg. Gegen Mittag kehrte ich auf ein Erfrischungsgetränk auf einer Alm ein. Alles gut. Am späteren Nachmittag machte ich mich zurück auf den Weg zum Gasthof. Im Tal war es fast schon wieder etwas zu warm. Am Talbach lies es sich aushalten. Dann kam Wind auf. Vom Gletscher zogen nun doch ein paar (sehr) dunkle Wolken Richtung Tal. Nun, es ist ja nicht mehr weit. Dann ein Donner. Jetzt aber schnell. Ein paar Tropfen fallen. Das wird schon. Es sind nur noch ein paar Minuten. Dann öffnet der Himmel schlagartig seine Schleusen. Schnell die Regenjacke aus dem Rucksack geholt – doch zu spät. Von oben kommt eine Sturzflut. Innerhalb von Sekunden bin ich komplett durchnässt. Als ob ich im Bach geschwommen wäre. Noch 2-3 Minuten bis zum Gasthof. Die Strasse vor dem Gasthof ist ein kleiner Wasserfall. Die Schuhe sind komplett durchnässt. Klitschnass komme ich an. 2- 3 Minuten und alles wäre kein Problem gewesen. Nun tropfen die Klamotten in der Dusche vor sich hin. 

 Zum Abendessen kam dann sogar wieder etwas die Sonne raus. Ich bin gespannt, wie die Schuhe das über Nacht mit dem trocken werden hinkriegen.

The Times They Are A Changing

Ich musste mal wieder raus aus der Stadt. Ich kann dieses Gerüst vor dem Balkon nicht mehr sehen. Die Tage feiert es sein Einjähriges. Der Juli war gut, etwas Urlaub habe ich mir verdient. Das letzte Mal war ich im Sommer 2016 in den Ferien. Seitdem ist viel passiert.

»Spontan« habe ich mich für die Berge entschieden. Wobei spontan etwas gemogelt ist. Ich hatte schon länger vor wieder ins Stubaital zu fahren. Doch der Gasthof, in dem ich übernachten wollte macht im Sommer erst am 19. Juli auf. Und vorher beantwortet er anscheinend auch keine Anfragen über das Kontaktformular der Webseite. Also habe ich am 23. nochmal eine Mail geschrieben. Wegen des Zeitrahmens ging es etwas hin und her. Aber es hat geklappt. Heute am 26. bin ich hier. Zwar in einem Nebenhaus, doch das ist egal. Der Gasthof ist sicherlich keine Nobelherberge. Dafür gastfreundlich, urig und (ist auch wichtig) preiswert. Die Zimmer sind einfach aber sauber. Und ich wollte unbedingt hierher. Doch dazu später.

Es ist übrigens nicht meine spontanste Reise. Der kurzfristigste Kurzurlaub führte mich vor ein paar Jahren nach Paris. Da habe ich die Reise in der Nacht geplant und stand am nächsten Tag an der Seine. Doch auch die Zeit für die Planung dieser Reise war knapp. 

Ich prüfte die Angebote der Bahn. Mhmmm. Günstig ist etwas anderes. Ausserdem ist das mit dem Gepäck ja immer so eine Sache. Alles in eine Reisetasche packen wird schon schwierig. Gerade wegen der Wanderschuhe. In Berlin waren es zwar 30 bis 40 Grad, in den Bergen ist es deutlich kühler. Also braucht es auch ein paar wetterfeste und wärmere Sachen. Da wird eine Reisetasche schnell verdammt schwer. 

Also habe ich nachgefragt, ob die Familienkutsche zur Verfügung steht. Sie stand. So bin ich nach 10 Jahren das erste mal wieder mit einem Auto in den Urlaub gefahren. Das gestaltete sich als höchst originell. Zum einen braucht es für Österreich eine Vignette auf der Autobahn. Ich schaute im Internet, was diese momentan kostet. 9 Euro und ein paar Cent für 10 Tage. OK, das ging. Erstaunt stellte ich fest, dass es auch eine digitale Version gibt, man also nicht die Fensterscheibe zukleben muss. Das ganz funktioniert über eine mobile Kennzeichenerfassung. Big Brother is watching you. Egal. Also die App geladen und versucht das Ding elektronisch zu ordern. Was nicht ging. Die digitale Version muss man nämlich 18 Tage vorher erwerben. Der Grund dafür liegt im Rückgaberecht. So wie man Schuhe, Bücher etc im Internethandel 14 Tage lang zurückgeben darf gilt das auch für die Vignette. Damit man also damit nicht 10 Tage fährt und dann wieder den Kauf rückgängig macht hat man diese Frist gesetzt. Was ich gelinde gesagt etwas abenteuerlich finde. Fahrkarten kauft man ja auch elektronisch und die sind sofort gültig. Eine Ausnahme gebe es nur für Unternehmer. Die können sofort kaufen. Mhmm, als Freiberufler könnte ich es vielleicht probieren. Ich schaute mir das ganze noch mal an, war mir aber nicht klar, ob ich ein Unternehmer bin. Also habe ich es sein lassen. Ich will keinen Ärger, dann wird das Ding eben klassisch an der Tanke erstanden.

Am 25. habe ich dann das Auto abgeholt. Am Nachmittag die Sachen gepackt (Also so ziemlich den gesamten Inhalt meines Kleiderschrank in einer Reisetasche verstaut.) und getankt. Landkarte, Navi oder so was brauche ich nicht. Der Weg ist ausgeschildert. Am 26. sollte es früh losgehen. Natürlich habe ich verpennt. 

Um 9:30 ging es dann auf die ungewohnt lange Fahrt. Ich war gespannt, ob sich etwas in den letzten 10 Jahren auf den Autobahnen geändert hat. Nun, nicht viel ausser, dass die A9  keine Autobahn ist, sondern eine befahrbare Baustelle. Doch der Verkehr rollte. Und Tempo 80 spart Benzin. Das ist bei dem verwendeten PKW Modell ein zu beachtender Faktor. Nicht dass das Töff Töff besonders viel verbraucht. Es hat nur einen kleinen Tank. Wenn man nicht alle 5 Minuten nachtanken möchte fährt man lieber Sprit sparend. Allerdings habe ich die Klimaanlage angelassen. Kostet zwar auch Benzin, doch es war sonst nicht auszuhalten. Diese hohen Temperaturen vertrage ich nicht mehr. Gut, dass der Wetterbericht für die Berge Abkühlung versprach.

Als ich dann das Bundesland Bayern erreichte und einen lokalen Radiosender einschaltete hörte ich dort, dass der 26. der Ferienbeginn wäre. Das spürte man auch auf der Autobahn. Es wurde voll und die Verkehrsdurchsagen versprachen nicht gutes. Gut, dass ich nicht am 27. gestartet bin (das stand nämlich auch zur Diskussion) Am Sa. soll es noch voller werden. Und wenn ich daran denke, dass ich heute auf der A8 schon mehr gestanden als gefahren bin- ich will es mir gar nicht vorstellen. 

Bevor ich die A8 endlich verlassen hatte, erstand ich noch schnell die Vignette und pappte sie an die Windschutzscheibe. Das Kennzeichen wird wahrscheinlich trotzdem von den Kameras am Wegesrand erfasst. Da kann ich auch gleich wieder »Ortungsdienste« aktivieren. Auf der Autobahn Richtung Innsbruck ging es dann durchgängig mit gemütlichen Tempo 100 weiter. Das war fast wie vor 30 Jahren auf der Transitautobahn. Manche Dinge kommen immer wieder.

Dann von der Autobahn runter. 3 Euro Kurzstrecken Maut in den Automaten geworfen und ab ins Tal. Ich hatte auch langsam genug von der Fahrerei. Nach ein paar Minuten war ich dann am Ziel. 18:30. 9 Stunden. Pausen hab ich keine gemacht. Ausser zum Tanken (siehe oben). 

Hier ist es so, wie ich es erwartet hatte. Ich bin nicht Herr Geist, sondern Stephan. Zum Abendbrot braucht es kein Jacket. Das Essen ist einfach und gut. Das Wetter ist wie erwartet deutlich kühler. Am Nachmittag hat es sogar etwas geregnet. Dennoch konnte ich nach dem Essen draussen sitzen. Ich gönnte mir noch ein Bier und setze mich auf die Bank, auf der ich vor ziemlich genau 25 Jahren schon einmal saß. Damals aber nicht alleine und noch unter einem anderen Namen. 

The Times They Are A Changing

Der Juni Hitzerekord ist gebrochen oder die Kleiderfrage in Zeiten des Klimawandels

Im brandenburgischen Coschen wurden heute 38,6 Grad Celsius gemessen. Damit fiel die Höchstmarke aus dem Jahr 1947, die irgendwo in Baden Württemberg erreicht wurde. So meldet es der Berliner Tagesspiegel. In Berlin selbst ist es nicht viel kühler. 35 Grad haben wir locker. Im Schatten. Wer in der Sonne sitzt bekommt die Folgen des Klimawandels direkt in die Haut gebrannt.

Ja, ihr Besserwisser. Wetter ist kein Klima. Das weiß ich auch. Doch schon letztes Jahr war es irre heiß. Im Winter habe ich nicht einmal die Heizung anstellen müssen. Also erzähle mir niemand etwas. Das schwedische Mädchen hat einfach recht. Basta.

Neben den Auswirkungen auf unsere Umwelt und unsere Gesundheit hat der Klimawandel weitere furchtbare Folgen. Besonders an so heißen Tagen wie diesen. Denn: wir sind mental einfach nicht darauf vorbereitet mit so heißen Temperaturen umzugehen. Was heißt mental. Wir (in Berlin/Deutschland) können damit überhaupt nicht umgehen. Zwar geben uns sogenannte Experten in den Medien zahlreich Tipps, wie man sich verhalten soll, doch irgendwie kommt das nicht an. Und noch etwas dazu, was uns hoffnungslos überfordert: Die Kleiderfrage. 

Wir haben keine Kenntnis davon und auch keine Kultur darüber, wie man sich an so heißen Tagen in der Öffentlichkeit kleidet. Ich nehme mich da gar nicht aus. Ich komme gerade vom Einkaufen. Ich brauchte Nahrung und Flüssigkeit. Die Bilder, die ich sah waren…

Halbnackte, spärlich mit schmuddeligen T-Shirts und den letzten kurzen Hosen, die man grad noch so im Schrank gefunden hat, bekleidete Menschen mühen sich durch die Strassen und Geschäfte. Passende sommerliche Kleidung kaufen? Warum? Hier? Wir sind doch nicht in Italien oder sonst wo. Für die paar Tage? Das lohnt nicht. 

Genau und so sieht es dann auch aus. Der menschliche Körper ist nicht immer der Schönste. Ihn durch Kleider zu verhüllen hat auch ästhetische Gründe. Das ist übrigens keine Frage des Alters. Der nahe See zieht im Augenblick viele Jugendliche aus der Stadt  an, die ein erfrischendes Bad nehmen wollen. Der Altersdurchschnitt auf den Strasse verjüngt sich in diesen Tagen dramatisch. Doch auch Jugend schützt nicht vor den Zerfallserscheinungen der Zivilisation. Für Menschen meiner Generation gilt das sowieso. 

Großes Mitleid habe ich im Moment mit den Werktätigen. Denn auch in der Arbeitswelt ist der Klimawandel noch nicht angekommen. Ich habe zur Zeit das Glück »Home Office mäßig tätig« unterwegs zu sein. Doch wer in ein Büro muss, kann es nicht vermeiden sich halbwegs anzuziehen. Arbeitszeiten zu ändern ist bei uns nicht vorgesehen. Während also zur U-Bahn vom See Sand verschmierte, halbnackte Jugendliche strömen, entsteigen der nicht klimatisierten Bahn viel zu dick gekleidete Werktätige und genau so riecht es, wenn man an ihnen vorbei läuft. 

Also auch das sind Folgekosten des Klimawandels: Wir müssen uns komplett neu einkleiden. Das freut natürlich die Wirtschaft. Genauso wie sie (die Wirtschaft) sich über Abwrackprämien und Dieselskandale vergnügt die Hände reibt. 

Doch was müssen wir uns überhaupt an Kleidung zulegen? Luftiges aus Seide? Die armen Raupen. Ist das überhaupt vegan? Oder leichte moderne atmungsaktive, aus Kunststoffen gefertigte, Hemden? Ich höre den (Auf-)Schrei: Mikroplastik!

Ich bin ratlos und sowieso Plei… knapp bei Kasse, bleibe also bei meinen in die Jahre gekommenen Klamotten und verlasse die Wohnung möglichst nur nach Einbruch der Dunkelheit. Zum Einkaufen natürlich nicht. Denn auch die langen Öffnungszeiten ändern nichts an den zur Zeit längsten Tagen des Jahres. Irgendwann muss ich ja mal Nahrung kaufen, auch wenn ich nicht soviel Hunger habe.

Draussen kommt Wind auf. In irgendeiner Meldung lese ich etwas von einem Temperatursturz für Morgen. 25 Grad. 

25 Grad! und das Ende Juni! Einen neue Eiszeit bricht an! Wir müssen etwas dagegen tun! 

Nur was? Lagerfeuer anzünden? Ich bleibe ratlos…

Ist aber auch warm heute…

Ein neuer DSL-Anschluss steht ins Haus

Es ist Sommer. Die Handwerker lärmen mal wieder auf dem Balkon. Die Bauarbeiten am Haus ziehen sich nun schon über ein Jahr. Es nervt. Doch es ist viel zu heiß, um nach draussen zu gehen. Also bleibe ich in der Wohnung. Da läßt es sich bezüglich der Temperaturen aushalten. Ausserdem muss ich mal wieder etwas »nichtfachliches« schreiben. 

Also, wie in der Überschrift angedeutet, bekomme ich demnächst einen neuen DSL-Anschluss. Inklusive Anbieter-Wechsel. Langjährige Leser erinnern sich vielleicht noch an die Geschichte mit Arcor und werden mit den Augen rollen. Doch keine Angst. So dramatisch ist es diesmal nicht. Noch nicht. Doch am 08.07. ist es soweit. Dann soll der neue Anschluss geschaltet werden. Ich bin schon total aufgeregt. Wird alles klappen? Wie viele Stunden werde ich damit verbringen alle Geräte zu konfigurieren? Werde ich je wieder im Internet surfen können? Fragen über Fragen, die mich schon seit Wochen nicht mehr schlafen lassen. 

Doch wie kam es überhaupt dazu?

Im Jahre 2005 (ja, solange ist das mit der Arcor-Geschichte schon her) wurde ich Kunde der Deutschen Telekom. Eigentlich folgerichtig, schließlich gehört mir ja ein Teil des Ladens. (Ich habe vor Urzeiten mal eine Handvoll Aktien von der Firma erstanden). Damals fing ich klein an, mit einer einfachen DSL 2000 Leitung. Im Laufe der Jahre wurde der Anschluss weiter ausgebaut. Am Ende (seit 2013) waren es 16 Mbit für 34,94 Euro Brutto. Hat auch alles ganz gut funktioniert. Soweit, so gut. 

In letzter Zeit las ich dann verschiedene Artikel, das die Deutsche Telekom ihr Netz komplett auf IP-Telefonie umstellen möchte. »Von mir aus«, dachte ich, »Kann ja nicht schaden«. Leider las ich auch, dass das Unternehmen im Zuge dessen viele der noch existierenden Altverträge, wie meinen Call &Surf Basic, erneuern möchte. »Mhmm«, dachte ich nun. »Ich bin ein alter, ehemals blonder und nun weißhaariger Mann in den Wechseljahren. Umstellungen liegen mir nicht.« Aber das waren ja nur Artikel in den Medien. Abwarten, was wirklich kommt.

Am 02.04.19 fand ich dann ein Schreiben der Telekom im Briefkasten, dass die Umstellung auch bei mir nun anstehe. Man teilte mir mit, dass im Zuge der Umstellung mein Call & Surf Vertrag aus rechtlichen Gründen von Seiten der Telekom gekündigt werden müsse. Doch da man mich als treuen Kunden gerne behalten wollte, machte man mir ein Angebot in Form eines dieser Magenta Verträge. Inhaltlich entsprach dieser, bezüglich der Kosten und Leistungen, meinem Altvertrag. Die 200 Telefon Freiminuten ins Festnetz wurden sogar in eine Flatrate umgewandelt. Ich müsse dazu aber einen neuen Vertrag abschliessen. Sonst nichts weiter. Telefonnummer bleibt, wie sie ist; die monatlichen Gebühren auch; neu konfigurieren müsse ich angeblich auch nichts – also alles easy?

Naja. Die Sache hatte einen kleinen Haken. Der neue Magenta-Vertrag hätte eine Mindestlaufzeit von 24 Monaten (statt aktuell 12) gehabt, so wie es für Neuverträge üblich ist. Und? könnte man fragen, Du hättest den alten Vertrag wahrscheinlich (aus Faulheit) nie gekündigt. Kann doch egal sein. 

Im Prinzip ja. 

Halt nur im Prinzip. Was meinen Gerechtigkeitssinn ärgerte war, dass ich bei jedem Telekommunikations-Anbieter (auch der Telekom) bei einem Neuvertrag eine tolle Prämie erhalte – doch in diesem Fall nicht. Also wenn ich sowie schon einen Neuvertrag abschliessen muss, warum sollte ich den bei der Telekom beantragen und nicht bei einem anderen (und meist günstigeren) Anbieter, inklusive einer attraktiven Prämie?

Das Schreiben der Telekom verwies bei diesen Rückfragen auf a) eine kostenlose Hotline. Warteschleife. Also b) Internet. Doch dort fand ich keine Antwort auf meine Frage. Daher wählte ich letztendlich das Angebot c) aus dem Anschreiben: Besuch im Telekom Shop. Die freundliche Mitarbeiterin notierte sich mein Anliegen. Doch auf meine Frage nach dem »warum« konnte sie nur antworten: »Ist halt das Original und eine Umstellungsgebühr entfällt.«

Es war ja nicht so, dass ich nicht gewillt war weiter Kunde bei der Telekom zu bleiben. Nach der wenig befriedigen Antwort aus dem Telekom Shop ging ich noch einmal auf die Internetseite des Unternehmens und beschloss dort die Frage nach dem »warum« per E-Mail  zu stellen. Die Kontaktformulare auf den Webseiten großer Unternehmen sind eine Story für sich. Am Ende wählte ich die Rubrik »Sonstiges« und stellte meine Frage nach dem »warum«.

Die Antwort:

Sehr geehrter Herr Geist,

schön, dass Sie sich für günstigere Tarife und DSL mit mind. 16 mbit (besser 50) interessieren.

Um das beste Angebot zu bekommen, empfehle ich Ihnen unsere Hotlinenummer 0800 330 1000 für treue Kunden anzurufen.

Meine Kollegen werden ein personalisiertes Angebot für Sie finden. Nur diese Kollegen sind beauftragt ein attraktives Angebot gemäß Ihrem Kundenprofil zu erstellen.

Falls Sie weitere Fragen oder Anliegen haben, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Viele Grüße und noch einen schönen Tag

i. A. (Name von mir gelöscht)

Kundenservice der Telekom 

  Waren Sie zufrieden mit uns? Wir freuen uns über Ihre Rückmeldung.

Nein, ich war nicht zufrieden. Es gibt so Momente im Leben, wo ein Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt. In diesem Fall waren es zwei Tropfen.

1.  stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Natürlich war das eine »no reply« E-Mail. Ich frage mich immer, was diese angeblich personalisierten Mails sollen. Diese plumpen Versuche, frei nach dem Motto: »wir nehmen Ihr Anliegen persönlich ernst«, ärgern mich nur noch. Mir ist es doch egal, ob ein Mensch oder Roboter antwortet, ich will nur eine gescheite Antwort auf meine Frage. Doch die  kam gar nicht. Sondern:

2. und für das Überlaufen entscheidender: Die Hotlinenummer war eine andere, wie im ursprünglichen Schreiben der Telekom, welches mich bereits als »treuen Kunden« umwarb. Warum wurde mir nicht gleich diese spezielle Nummer genannt? 

Nur diese Kollegen sind beauftragt ein attraktives Angebot gemäß Ihrem Kundenprofil zu erstellen. Der Verdacht liegt nahe, dass unter dieser Nummer die »Meckerköpfe« (Kundenprofil) durch eine eigens geschulte task force betreut werden. Und auch so etwas ärgert mich maßlos. Muss man denn immer nur Meckern und Maulen bis man ein vernünftiges Angebot erhält? Werden all die, die nicht ständig laut schreien, nicht laufend über den Tisch gezogen? Frei nach der Devise: Mit euch friedlichen Lämmern können wir es ja machen… also erstmal so versuchen…Und muss ich mir nicht mein gesammeltes Wissen über Verkauf und Beschwerdemanagement ins Gedächtnis rufen und am besten noch einmal trainieren, bevor ich mich dort melde, damit ich auch eine passende Lösung erhalte? Und was ist, wenn ein Kunde gar nicht dieses »Wissen« hat? 

Jaaaa -die anderen sind auch nicht besser. Ist mir auch klar. So naiv bin ich nun auch wieder nicht.

Trotzdem habe ich nicht dort angerufen und mich für einen anderen Weg entschieden. Doch dazu mehr in der nächsten Folge von : Stephan sucht einen neuen DSL-Anbieter

Dieser Beitrag ist nach aktuellen Standards eh schon viel zu lang. Ist aber auch noch immer so warm draussen. Man, man man…

Die Tüten-Tüte

Ich habe heute mal wieder meinen Flur sauber gemacht. Also so richtig. So gründlich macht man das ja nicht jedesmal. Da muss die kleine Kommode weggeschoben werden, alle Schuhe werden weggeräumt und auch der Kleiderständer für die Jacken verschwindet für eine Weile im Wohnzimmer, solange der Boden nach dem Wischen noch trocknet. Dabei ist mir meine Tüten-Tüte in die Hände gefallen.

So eine Tüten-Tüte findet sich in jedem Haushalt. Darin sammelt man Taschen und Einkaufstüten. Die Menschen sind umweltbewußt geworden und eine Einkaufstüte sollte man öfter verwenden, um Plastikmüll zu vermeiden. Ausserdem werden einem heute auch an allen Ecken wieder Stoffbeutel angeboten. Einen Stoffbeutel kann man auf gar keinem Fall einfach wegwerfen. Und da sind nicht zuletzt die großen blauen Kunststofftüten des schwedischen Möbelhauses. Die hat man teuer bezahlt. Also hebt man diese Beutel und Tüten für den nächsten Einkauf auf.

Natürlich kommt es immer anders. Wer kennt nicht diesen typischen Samstagsvormittagssatz: »Du Schatz, wir brauchen noch Teelichter, lass uns doch noch schnell bei Ikea vorbeifahren«. 

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass kein Mensch in der Lage ist beim Schweden »nur« eine Packung Teelichter zu kaufen. Diese werden dort subventioniert angeboten, damit die Menschen noch dutzende andere Dinge erwerben, die sie eigentlich nicht benötigen. Und selbstverständlich hat niemand in diesem Moment die blaue Tasche vom letzten Einkauf dabei. Die ist wie immer in der Tüten-Tüte geblieben. Also ersteht man einen weiteren blauen Beutel. 

Wie immer. Natürlich legen sich die Menschen dann gerne eine Entschuldigung zurecht: »Das macht nix, Schatz. Die Tüte verwenden wir, um die Pfandflaschen zu sammeln.« Natürlich ist das Selbstbetrug. Denn die Flaschen werden längst in der Tüte vom letzten Einkauf gesammelt. Also wandert diese, wie all die anderen vielen Tüten und Beutel, die man spontan erstanden hat in der Tüten-Tüte.

Ich komme noch aus einer Zeit, in der man Plastiktüten umsonst im Supermarkt bekam. Die sind natürlich lange vorbei. Damals hatte man die Plastiktüten oft als Müllbeutel verwendet. Sinnvollerweise gehören diese Umsonst-Tüten der Vergangenheit an. Heute muss man dafür teuer bezahlen. Doch eine Mülltüte für 50 Cent? Macht keiner. Also sammelt man auch diese Taschen in der Tüten-Tüte. Natürlich immer oben auf. 

Der Mensch kann nichts dafür, er ist so.

Und so sammeln sich im Laufe der Jahre am Boden der Tüten-Tüte Plastiktaschen an, die fast schon kulturhistorischen Wert haben. Nicht selten findet man dort Plastiktüten längst nicht mehr existierender Supermarkt-Ketten. Also, die würde man finden, wenn man danach sucht. Macht man aber nicht. Lieber legt man sich eine zweite oder dritte Tüten-Tüte zu und sammelt weiter. Da sind Menschen wie Eichhörnchen. Und wie Eichhörnchen vergessen dann die Menschen, dass es eine Tüten-Tüte Nummer eins gibt. Das Problem dabei ist: Plastik ist zwar nahezu unverwüstbar, aber halt nur nahezu. Irgendwann werden diese alten Tüten irgendwie anders. Klebrig oder verfärben sich. Mit so einer Tüte geht man natürlich nicht mehr einkaufen. Und dann schmeißt man die komplette Tüten-Tüte irgendwann weg. Zum Beispiel, wenn man den Flur mal so richtig saubermacht und einem Tüten-Tüte Nummer Eins in die Hände fällt. 

Also weg damit. Aber erst, wenn es dunkel geworden ist. Es ist ja inzwischen ziemlich peinlich mit soviel Plastikmüll vom Nachbarn erwischt zu werden. Und natürlich gelobe ich feierlich Besserung und werde in Zukunft an meine Tüten-Tüte denken, bevor ich einkaufen gehe. 

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Berliner Winter

Dank der angekündigten wochenlangen Kältewelle (heute Mittag waren es schon arktische 5 Grad (plus natürlich)) blieb eine größere Schneekatastrophe aus. Was die zahlreichen Räumdienste nicht daran hinderte noch in der Nacht die Schneemassen zu beseitigen. Anscheinend geht das nur mit dem gleichzeitigen Ausbringen von Sand, Kies oder der Gleichen, um zu verhindern, dass jemand ausrutscht. Leider hat das auch zur Folge, dass nun die Gehwege mit einer durchgehenden (und sehr rutschigen) Schlammschicht bedeckt sind, die man unweigerlich mit in die Wohnung schleppt, wenn man draussen war. Das ist ärgerlich, da ich erst gestern alle Böden in der Wohnung gewischt habe.

Ansonsten ist der Himmel konstant grau. Also nicht Hellgrau im Wechsel mit Dunkelgrau oder Trübgrau, sondern nur grau. Es ist ein einheitliches, sich nicht änderndes Trauriggrau. Dazu tröpfelt es etwas. Kein richtiger Nieselregen, sondern nur willkürlich fallende Tropfen. Doch es reicht um unsere in einem bedenklichen Zustand befindlichen Gehwege und Strassen in ein Pfützenmeer zu verwandeln. Was wiederum zur Folge hat, dass man sich permanent entscheiden muss, ob man seine Schritte in den Schlamm oder gleich ins Wasser setzt. Wichtig dabei ist, nicht zu dicht an der Strasse zu laufen, da die durch die Autos aufspritzende Schlammgischt sonst die Klamotten komplett einsaut. 

Also ein typischer Berliner Winter. Den man keinesfalls unterschätzen darf. Die Behörden warnen selbstverständlich vor dem Betreten der Seen. Immerhin hatten wir schon zwei Nächte mit Minusgraden zu überstehen. Die Warnung erfolgt sehr zu Recht, da der gemeine Berliner selbstverständlich die Schlittschuhe aus dem Keller holt, sobald sich eine hauchdünne Eisschicht auf einem Tümpel oder See gebildet hat. Auch eine geschlossene nächtliche Schneedecke von ca. 0,2 cm ist ein mediales Ereignis und die Bevölkerung wird nicht nur von den Boulevardblättern auf eine neue Eiszeit vorbereitet. Gott sei Dank fiel der Schnee in der Nacht und es war wenig Verkehr auf den Strassen. So wurde ein Verkehrschaos vermieden. Als Stadtmensch ist der Berliner Autofahrer prinzipiell skeptisch, was die Verwendung von Winterreifen angeht. (Die wollen nur Geld machen – abba nich mit mir).

Um diese traurige Jahreszeit zu überstehen war ich vorhin einkaufen. Ich habe verzweifelt versucht so etwas wie Vitamine zu erstehen, um irgendwie zu überleben. Leider ist das Angebot genauso grau wie der Himmel. Oder so teuer, dass man (ich) es mir nicht leisten kann. Um mich vor Skorbut zu schützen habe ich dann ein paar Zitronen gekauft, deren Ökobilanz zum Himmel schreit. Das Gleiche gilt für die roten Paprikaschoten, die im Sonderangebot waren. Was soll man machen. Irgendwie muss man (ich) sich ja ernähren, ohne all zu sehr unter Mangelerscheinungen zu leiden. 

Vor dem Essen muss ich aber erst mal alle Böden in der Wohnung wischen (siehe oben) und hoffe das dieser unendlich lange und strenge Winter bald vorbei geht und ich wieder auf dem Balkon die Sonne geniessen kann. Sofern diese leidigen Bauarbeiten irgendwann beendet sind. Aber das ist eine andere Geschichte…